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Der Thiele Glas WM-Durchblick 2018

Wer? Wo? Was? Und vor allem warum? Einfach "Tooooor" rufen und die Hände in die Luft reißen, wenn alle anderen es auch tun, ist leicht - kann aber auch trügerisch sein. Wie wäre es mit einem Blick hinter die WM-Fassade? 

 

Thiele Glas sorgt für ein bisschen mehr WM-Durchblick. Hier finden Sie Neues, Spannendes oder Witziges rund um die Weltmeisterschaft, die teilnehmenden Länder und den Fußball im Allgemeinen. So können Sie – auch wenn Sie nicht am Tippspiel teilnehmen – im Fußball-Small-Talk immer mitreden.


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12.07.2018: "Es ist nichts scheißer als Platz Zwei" - oder?

Erik Meijer fand seinerzeit deutliche Worte für den Vizetitel. Mindestens 23 Spieler werden sich das am Sonntag vermutlich auch denken. Die Einsicht, dass sie mit dieser Leistung trotzdem besser waren als 30 der anderen Teilnehmer, wird vermutlich noch etwas auf sich warten lassen. 

Umstrittener als der zweite Platz ist allerdings Platz drei beziehungsweise das Spiel um Platz drei. Kulttrainer Louis van Gaal beispielsweise findet, dass es ein Spiel um Platz drei gar nicht geben dürfe, weil es unfair sei, dass somit eine Mannschaft zweimal hintereinander verlieren könnte (Halbfinale und kleines Finale): „Dass man damit ein Turnier, das so toll war, vielleicht als Loser beendet. Das hat mit Sport nichts mehr zu tun. Es kann nur ein Finale geben, und in dem muss es darum gehen, Champion zu werden.“ Auch Arjen Robben wetterte nach der Halbfinal-Niederlage gegen Argentinien bei der letzten WM: „Nur der Titel zählt. Das Spiel um Platz drei kann mir gestohlen bleiben.“ Etwas optimistischere Stimmen sagen: Mit dem Spiel um Platz drei kann man trotz eines vergeigten Halbfinales mit erhobenem Haupt aus dem Turnier gehen. Zumal sich die Fans über ein zusätzliches Spiel vermutlich freuen – und wenn es auch „nur“ eine Art Vorband für das Finale ist. Dass die Vorband manchmal besser ist als der Hauptact, ist schließlich auch keine Seltenheit. 

Die gespaltene Meinung zu diesem Thema zeigt sich aber auch in den Führungsorganisationen. Während die FIFA (zuständig für die Weltmeisterschaft) ein Spiel um Platz drei befürwortet, hat die UEFA (zuständig für Europameisterschaften) dieses bereits 1980 abgeschafft. Laut einer Sprecherin gegenüber SPIEGEL ONLINE sei das Spiel nicht attraktiv genug.

Gerade in Deutschland hat man jedoch mit dem Spiel um Platz drei sehr gute Erfahrungen gemacht. Wenigstens hier haben wir den Brasilianern etwas voraus und halten den Rekord. Als einzige Mannschaft hat das DFB-Team bereits fünf Mal am Spiel um Platz drei teilgenommen und konnte sich vier Mal durchsetzen. Nur 1958 unterlag die deutsche Mannschaft im kleinen Finale den Franzosen. Mit den Siegen in den Jahren 1934, 1970, 2006 und 2010 ist Deutschland Rekord-Dritter und auch die einzige Nation, die in zwei aufeinanderfolgenden Weltmeisterschaften Platz drei erreicht hat.

Im Übrigen war das kleine Finale bisher auch fast immer eine einzigartige Paarung. Lediglich die Begegnung Deutschland vs. Uruguay gab es zweimal (1970 und 2010). 

Ein weiteres Novum ist mit Blick auf die aktuelle WM möglich: Die Entscheidung eines kleinen Finales durch Elfmeterschießen. Bisher wurde jedes Spiel um Platz drei spätestens in der Verlängerung entschieden. Vielleicht können sich die „kleinen Finalisten“ also zumindest in dieser Statistik als „Erste“ verewigen.


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09.07.2018: Wie hält man Elfmeter?

Die diesjährige WM hat – auch durch den Einsatz der Videoassistenz – bereits in der Vorrunde einen neuen Rekord aufgestellt: Noch nie gab es während eines Endturniers so viele Elfmeter in der regulären Spielzeit. Insgesamt waren es 24. Damit wurden knapp 20 % der Vorrunden-Tore bei dieser Weltmeisterschaft per Elfmeter erzielt. Die Trefferquote lag dabei bei 75%. 

Statistisch gesehen hat Deutschland bei Elfmeterentscheidungen in der K.O.-Runde die Nase vorn: In vier Duellen, die im Elfmeterschießen entschieden wurden, konnte sich Deutschland vier Mal durchsetzen. Doch wie hält man eigentlich Elfmeter?

Rein mathematisch liegt die Wahrscheinlichkeit, einen Elfmeter zu halten, bei 25%. Diese Zahl ergibt sich aus der Fläche von fünf Quadratmetern, die ein Torhüter (pauschal mit zwei Meter Größe und einer Armspannweite von 2,50 m) abdecken kann, geteilt durch die Fläche des Tores von 18 Quadratmeter. Tatsächlich spiegelt sich diese Quote in der Elfmeterstatistik der Vorrunde der aktuellen WM wieder (Trefferquote: 75%).

Vorab sei gesagt: Ist der Elfmeter perfekt geschossen, kann ihn kein Torhüter der Welt parieren – aber wer ist schon perfekt? „Wenn der Schütze den Ball platziert oben rein schießt, ist der Ball drin. Aber der Schütze geht natürlich auch ein höheres Risiko ein, wenn er den Ball hoch schießt. Der ist schwieriger zu schießen, weil er dann drüber, gegen Latte oder Pfosten und so weiter gehen kann“, sagt der ehemalige Bundesligatorhüter Benedikt Fernandez. „Halbhohe Schüsse hingegen sind natürlich einfacher zu halten als flache oder hohe, denn du gehst als Torhüter bei Elfmetern automatisch immer halbhoch weg.“ Der Fehlschuss von Ronaldo gegen den Iran im letzten Gruppenspiel war beispielsweise ein halbhoch geschossener Elfmeter.

Zudem kann der Torhüter die Wahrscheinlichkeit, den Elfmeter zu parieren, erhöhen. Dazu sind drei Parameter maßgebend. 

1. Vorbereitung und Analyse
2. Visuelle Beeinflussung
3. Psychologie

1) Über jeden Elfmeter-Schützen werden in den höheren Ligen und auf internationalem Parkett Statistiken geführt. So kann sich der Torhüter vorab informieren, ob der Schütze eine „Lieblingsecke“ hat oder ob besondere Eigenarten verraten, wohin er den Elfmeter schießen wird. Keeper Michael Cebulla, der beispielsweise schon gegen Bayern München spielte, erklärte dazu: „Ich schau mir den Schützen, wenn er zum Elfmeterpunkt kommt, komplett an von oben bis unten, wie läuft er an, wo guckt er hin, wie sieht er aus, was hat er im Spiel gemacht, hat er hart geschossen, hat er leicht geschossen, ist er eher einer, der schnippelt oder einer, der einfach nur drauf hält – dann überlegt man kurz, schaut sich den an und dann entscheidet man sich spontan für eine Ecke."

2) Dabei gibt es verschiedene Varianten: Der Keeper kann sich klein machen, sodass der Schütze gefühlt ein größeres Trefferfeld hat und gegebenenfalls leichtsinnig wird. Der Torwart kann sich aber auch groß machen, um die Fläche optisch zu verkleinern und so den Schützen unter Druck zu setzen. Etwas subtiler ist die dritte Variante: Um für alle Varianten gewappnet zu sein, sollte sich der Keeper prinzipiell mittig im Tor platzieren, um jede Ecke gleich schnell erreichen zu können. Stellt sich der Torhüter aber fünf bis zehn Zentimeter „neben die Mitte“, sieht es zwar immer noch so aus, als würde er mittig stehen, das Unterbewusstsein des Schützen kann aber wahrnehmen, dass auf einer Seite etwas mehr Platz ist. Daher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Schütze in die „geöffnete Ecke“ schießt, höher. 

3) Beim Elfmeter liegt der höhere Druck beim Schützen, da die Wahrscheinlichkeit zu treffen wie vorab dargelegt bei 75% liegt und die Abwehrwahrscheinlichkeit bei 25%. Zudem können Mimik und Gestik Einfluss auf den Torschützen haben. Auch die Routine des Schützen zu stören und ihn damit aus dem Konzept zu bringen, kann die Treffsicherheit verringern. Hier sollte der Keeper sich allerdings ans Regelwerk halten. 

Jens Lehmann hat im berühmten
Elfmeterkrimi im WM-Viertelfinale 2006 gegen Argentinien beispielweise alle drei Punkte kombiniert – zum einen die Analyse der Schützen und die Störung der Routine und Verunsicherung des Schützen durch den Spickzettel. Zum anderen bietet er beim Schuss von Cambiasso für einen kurzen Moment, Sekundenbruchteile vor dem Schuss die vom Schützen aus gesehen rechte Ecke an, springt dann auch direkt in diese und kann den Ball somit parieren.  

Im Grunde ist das Elfmeterschießen für den Torhüter aber eigentlich etwas Gutes, wie Bundesliga-Keeper Fabian Giefer sagt: „Du hast als Torhüter immer den Vorteil auf deiner Seite, dass dir nichts passieren kann. Wenn der Elfmeter rein geht, bist du nicht schuld. Wenn du ihn hältst, bist du der König. Das ist das Schöne am Elfmeterschießen.“

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04.07.2018: Die dritte Mannschaft

In der Regel treten im Fußball zwei Mannschaften gegeneinander an, die unter sich einen Sieger ausspielen. Ab dieser WM gibt es allerdings in jedem Spiel eine dritte Mannschaft: Das Schiedsrichter-Team. Vier Offizielle auf dem Feld, vier Offizielle in der Video-Regie. Die Einführung des Videobeweises sorgte im Vorfeld für viele Diskussionen – vor allem in Deutschland. Bereits seit einem Jahr ist die Videotechnik in der Bundesliga und im DFB-Pokal im Einsatz. Zur Entlastung und Unterstützung der Schiedsrichter und zur Dezimierung von Fehlentscheidungen trug diese Neuerung allerdings kaum bei. Zu oft wurde fälschlicherweise eingegriffen, mitunter sogar richtigen Entscheidungen des Schiedsrichters auf dem Platz widersprochen.

Bei der WM jedoch sind die Richtlinien klar: Die Videoassistenz darf nur eingreifen, wenn es um Tore oder Vorfälle geht, die zu einem Tor führen, bei Strafstoßentscheidungen oder Vorfällen, die einer solchen vorausgehen, bei Vorfällen, die zu glatt Roten Karten führen und bei der Verwechslung von Spielern bei persönlichen Strafen. Und im Gegensatz zur Bundesliga halten sich die Schiedsrichter auch daran und greifen nur bei Fehlentscheidungen und nicht bei jeder uneindeutigen Situation ein.

Durch diese dezente Unterstützung bleibt die Hauptkompetenz nach wie vor beim Hauptschiedsrichter auf dem Feld und wird nicht vom Video-Assistenten untergraben. Somit bleibt auch der Schiedsrichter-Part menschlich. 

Schiedsrichter-Legende Walter Eschweiler äußerte sich bereits vor einiger Zeit sehr deutlich zum Umgang mit den Referees und deren Fehlentscheidungen: „Lassen Sie uns doch mit den vermeintlichen Fehlern der Schiedsrichter leben – wir leben doch auch mit den Fehlern der Spieler. Und rechnen Sie mal die Fehler der Spieler gegen die der Schiedsrichter auf – was denken Sie, was da raus kommt?!“

Dazu sei gesagt, dass es heutzutage wohl nur noch wenige Schiedsrichter gibt, die auf dem Platz eine solche Präsenz ausstrahlen wie Eschweiler. Dank seiner souveränen Spielführung musste er in über 150 Bundesligaspielen nur fünf Mal die Rote Karte zücken. 

Dem Einsatz von technischen Hilfsmitteln steht er zwiespältig gegenüber. Wenn das Schiedsrichterteam gut miteinander kommuniziere, könne auf dem Spielfeld nichts passieren, das nicht einer der vier sieht. Den Knackpunkt sieht Eschweiler an einer ganz anderen Stelle: „Die Schiedsrichter sollen sich grundsätzlich nicht so ernst nehmen. Der Zuschauer ist gekommen, um ein Spiel zu sehen und nicht den Schiedsrichter und manchmal hat man den Eindruck, dass die Schiedsrichter meinen, es wäre genau umgekehrt.“ Eschweiler ist allerdings auch der Meinung, „wenn es eine technische Hilfe gibt, dann sollte man sie nutzen. Aber generell entbindet das die Schiedsrichter nicht von einer guten Teamarbeit. Die logische Zusammenarbeit und klare Zeichen der Schiedsrichter untereinander ist nach wie vor viel wertvoller als alle Technik.“ Die FIFA-WM hat nun – anders als es in der Bundesliga den Anschein hatte – gezeigt, dass sich das nicht zwangsläufig ausschließt.

Eines wird sich aber trotz aller technischer Neuerungen, trotz aller Unterstützung für die „dritte Mannschaft“ laut Eschweiler wohl niemals ändern: „Die besten Schiedsrichter, die besten Trainer und die besten Fußballer sitzen draußen – das wird immer so bleiben.“


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29.06.2018: Einen an der Waffel – und das ist gut so

Sepp Maier, der während eines Bundesligaspiels eine Ente rund um seinen Strafraum jagt; Tim Wiese, der in Kung-Fu-Manier gegen seine Gegner tritt; Oliver Kahn, der seinem Vordermann kurzerhand in den Hals beißt – Beispiele für „absonderliches Verhalten“ der Männer (und Frauen), die im Fußball zwischen den Pfosten stehen, gibt es unzählige. Der Spruch "Torhüter (und Linksaußen) haben einen an der Waffel" kommt daher nicht von ungefähr. Aber sind Torhüter wirklich verrückt?


Allein um sich für die Position des Torhüters zu entscheiden, muss man sicher ein wenig anders sein. Schließlich entscheidet man sich damit dafür, sich ständig Bälle um die Ohren schießen zu lassen, sich immer wieder in den Dreck zu werfen und meistens der Verlierer zu sein. Jörg Stiel, ehemaliger Schweizer Nationaltorhüter, fasste es passend zusammen: „Natürlich ist es ein bisschen so, dass du exponiert bist. Du machst einen Fehler und das hat zu 90% Auswirkung. Daher schwebst du immer ein bisschen zwischen König und Bettler. Aber sind wir mal ehrlich: Wer ist schon gern Mittelmaß?“ 


Für Weltenbummler-Keeper Lutz Pfannenstiel ist diese Verrücktheit sogar eine notwendige Voraussetzung: „Mit Sicherheit ist das so. Man sieht’s ja schon allein von der Verantwortung her, die ein Torhüter hat. Du bist mehr oder weniger ein Einzelkämpfer, ab und zu der einsamste Mensch im Stadion, dann ab und zu wieder der gefeierte Held, aber im Großen und Ganzen bist du meist derjenige, der verliert. Da musst du vom Kopf her so stabil sein, das Ganze auch auffangen zu können, das Ganze verarbeiten zu können und ich denke, wenn du kein Wahnsinniger, kein Verrückter bist, dann wirst du dich als Torwart nie durchsetzen können.“


Diese angebliche Verrücktheit der Torhüter, welche sich zum Beispiel durch besondere Aggressivität äußern kann, ist oft aber auch nur Ausdruck absoluter Konzentration und übergroßen Einsatzes. „Ich kann keinen umgrätschen, dann ist es eine Rote Karte oder ein Elfmeter, also versuch ich’s anderweitig und deswegen gilt man auch teilweise als verrückt“, so Rüdiger Vollborn, der mit Bayer 04 Leverkusen den DFB-Pokal und den UEFA-Pokal gewinnen konnte. Es ist somit ein Beleg dafür, wie intensiv Torhüter am Spiel teilnehmen, obwohl sie meist nur vor ihrem Tor stehen und warten, bis der Ball zu ihnen kommt. Sportpsychologe Christian Luthardt bringt es auf den Punkt: „Wenn der Torhüter einen Fehler macht, dann ist es ein Tor. Das heißt, ein Fehler hat größere Konsequenzen. Das hat auch viel damit zu tun, dass der Torhüter einen stärkeren Druck verspürt, eine besondere Verantwortung trägt.“ Somit seien Typen gefragt, die eine starke Persönlichkeit haben.


Doch ebenso wie sich die Interpretation der Rolle des Torhüters im Spiel verändert hat, scheint sich auch der Charakter der Keeper geändert zu haben. Heutzutage gibt es kaum mehr Torhüter, die man in diesem Sinne als verrückt bezeichnen würde. Dazu ist der Erfolgsdruck und auch der Druck der Medien zu hoch, das Spiel zu intensiv. Der Torhüter wartet nicht mehr ab, bis die Bälle aufs Tor kommen. Er ist stärker ins Spiel eingebunden und nimmt in vielen Situationen, besonders im Spielaufbau, eine immer wichtigere Rolle ein. Die meisten aktuellen Keeper wirken nach außen eher ruhig, besonnen, fast „gechillt“. Innerlich hingegen sind sie hochangespannt und voll konzentriert. Der Fokus liegt auf dem Spiel, der Antizipation der nächsten Spielsituation. Zeit, eine Ente zu jagen, hat heute keiner mehr.


Am besten formulierte Rüdiger Vollborn die besondere Position des Torhüters im Fußball: „Verrückt ist da das falsche Wort. Ich finde man ist […] einzigartig.“


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25.06.2018: „Und immer noch NEIN zu Rassismus“


Ob UEFA, DFB oder McDonalds – die Positionierung gegen Rassismus wurde in den vergangenen Jahren immer lauter. Das Thema verschwindet aber nicht von der Tagesordnung. Erst am vergangenen Wochenende sah sich der schwedische Verteidiger Jimmy Durmaz in den „sozialen Medien“ mit rassistischen Anfeindungen gegen sich und seine Familie und sogar mit Morddrohungen konfrontiert – sehr sozial. Vorangegangen war diesem „Shitstorm“ eine missglückte Abwehraktion im zweiten WM-Gruppenspiel, die zum späten Siegtreffer der Deutschen gegen Schweden führte.

Die Enttäuschung der schwedischen Fans über die späte Niederlage ist nachvollziehbar, doch die Entladung der Emotionen auf diese Art und Weise weder akzeptabel noch verständlich. „Das ist einfach nur furchtbar und es macht mich wirklich sauer. Dass Menschen so wenig Respekt haben, ist echt peinlich. Denen hätte ich einiges erzählt. So etwas darf auf keinen Fall vorkommen. Das macht mich ärgerlich und vor allem traurig“, äußert sich der schwedische Angreifer Emil Forsberg nach den Vorkommnissen. Das schwedische Team steht geschlossen hinter Durmaz, der zwar türkische Wurzeln hat, aber in Schweden geboren ist. „Ich bin Schwede und stolz darüber, die Krone und Flagge zu tragen“, betonte dieser in einer noch am Wochenende veröffentlichten Videobotschaft, in der das Team geschlossen hinter ihm steht und mit dem gemeinsam Ausruf „Fuck racism“ und Applaus für seinen Verteidiger schließt.


Das Thema Rassismus kocht neben dem Fußballplatz immer wieder hoch. Auf dem Platz und in den Mannschaften hingegen, ist das nicht relevant. „Das ist tatsächlich nie ein Thema. Schon als Jugendlicher hatte man immer sehr viel mit ausländischen Spielern zu tun und das ist nie ein Thema. Jeder Mitspieler ist gleich. Das einzige, was auffällig ist, ist manchmal die Hautfarbe, die unterschiedlich ist und das nicht alle die gleiche Sprache sprechen. Aber ich denke, es gibt kaum einen integrativeren Faktor als Sport“, sagt Christian Brand, derzeit Nachwuchstrainer bei Werder Bremen, über seine Erfahrung mit unterschiedlichen Nationen im Vereinsfußball. Ausfälligkeiten von Funktionären wie die des serbischen Trainers gegen Schiedsrichter Brych, sind dabei die absolute Ausnahme. 


Auch in der Nationalmannschaft ist Integration ein wichtiges Thema. Bereits vor knapp zehn Jahren positionierte sich Teammanger Oliver Bierhoff sehr deutlich dazu: „Wir haben mehrfach betont, wie sehr wir uns darüber freuen, dass wir mehrere Spieler mit Migrationshintergrund in den Reihen der deutschen Nationalmannschaft haben.“ Antonio Rüdiger, seines Zeichens Innenverteidiger im DFB-Team, betonte in einem Interview vor der WM in Russland, dass er diesen Zustand sehr schätze: „Man hat immer Themen, man kann immer über unterschiedlichste Dinge sprechen. Wenn jemand etwas nicht weiß über die Türkei oder über Afrika oder über sonst etwas, dann findet er in der Mannschaft immer jemanden, der ihm Antworten geben kann, von dem er dazulernen kann." 


Die UEFA-Werbespots „No to racism“ sind aus dem Mund der Spieler also keine leeren Worte. Der aktuelle Werbespot von McDonalds mit Nationalverteidiger Jerome Boateng bringt diese Stimmung gut auf den Punkt: Ja zu Herzrasen, Ja zu Freudentränen, Ja zu Teamgeist, Ja zu neuen Freunden, Ja zum Teilen, Ja zu was wir lieben – und immer noch NEIN zu Rassismus.


Traurig ist an diesem ganzen Thema vor allem eines – nämlich dass es überhaupt ein Thema ist.


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21.06.2018: Das alte Lied der elf Freunde


Es ist wohl einer der ältesten Sprüche des Fußballs: „Elf Freunde müsst ihr sein.“ Und doch scheint er aktueller denn je. Wie sonst lässt sich erklären, dass so viele WM-Favoriten schon am ersten Spieltag gegen schwächer eingeschätzte Teams ins Stolpern kommen? Argentinien und Brasilien kommen nicht über ein Unentschieden hinaus, Belgien und England brauchen einen langen Anlauf, um sich durchzusetzen – und der Weltmeister verliert sogar seit 1982 erstmals ein WM-Auftaktspiel. 


Dass all diese Teams über hervorragende Einzelspieler verfügen, ist unstrittig. Jedoch hatten die Gegner einen Trumpf, den all die Favoriten vergessen zu haben scheinen: Sie agierten als geschlossene Mannschaft. „Fußball ist und bleibt ein Teamsport. Die individuelle Qualität macht sich nur bemerkbar, wenn der Teamgeist gut ist. Die Teams sind einfach wichtiger als jeder Einzelne“, betont der ehemalige Bundesliga-Profi Christian Brand. Island begeisterte bereits bei der letzten EM mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung – ein „Huh“ ging durch Europa, bei Spielern und Fans. Und auch beim WM-Auftakt gegen Argentinien war das Kollektiv Island kaum zu überwinden. Denn hier machte jeder den einen Schritt mehr, um seinen Mannschaftskameraden zu unterstützen.

Anders sah dies im deutschen Spiel aus. Kurz vor der WM sagte Antonio Rüdiger im Interview: „Wir sind nicht alle beste Freunde, aber auf dem Platz sind wir eine Gemeinschaft.“ Gegen Mexiko schien sich nur der erste Teil dieser Aussage zu bewahrheiten. Da stimmt es auch wenig optimistisch, dass die Innenverteidigung nach dem Spiel nur gegen den Rest der Mannschaft schimpfte und sich beschwerte, allein gelassen worden zu sein. Schon die Aussage an sich ist erschreckend. Doch nach dem Spiel die Mitspieler direkt in der Öffentlichkeit so zu kritisieren, spricht leider nicht gerade von einer Einheit. Auch die Integration von Neuling Plattenhardt, der kurzfristig für den erkrankten Hector einsprang, scheiterte – selbst Torhüter Manuel Neuer hatte mehr Ballkontakte als der Verteidiger, der überraschend ins WM-Aufgebot gerutscht war.

Vielleicht sollte sich die deutsche Mannschaft den ARD-WM-Song „Zusammen“ von Clueso und den Fantastischen Vier noch einmal etwas genauer anhören: „Wir sind zusammen groß […] es gibt kein ich in diesem wir.“ Dann könnte schon am Wochenende der ebenfalls darin besungene „Zusammstag“ sein.

Doch eventuell war diese Auftakt-Niederlage das Beste, was Deutschland hätte passieren können. Hätte man in letzter Minute wieder den Ausgleich erzielt, wäre der Druck nicht sonderlich groß gewesen. Wieder hätte das Team davon ausgehen können, dass ein Weltmeister auch mit höchstens durchschnittlicher Leistung ein WM-Spiel nicht verliert. Wozu also über sich hinauswachsen? Es bleibt zu hoffen, dass dieser schmerzende Dämpfer in letzter Sekunde und noch nicht zu spät kam.

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14.06.2018: Was bisher geschah...


Bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann sich der Freizeitsport "Fußball" zu organisieren - erstmal, wie könnte es anders sein, in England mit der Gründung der Football Association. Es dauerte jedoch noch 60 Jahre, bis eine eigene Weltmeisterschaft initiiert wurde. Nach mehrjähriger Vorarbeit des FIFA-Präsidenten fand schließlich 1930 die erste Fußball-Weltmeisterschaft statt. Da diese jedoch in Montevideo ausgetragen wurde und für die europäischen Teams eine 20-tägige Anreise bedeutete, nahmen nur vier Mannschaften aus Europa teil. Weltmeister wurde bei dieser Erstausgabe der Gastgeber, Uruguay.


Nach einem Doppelsieg von Italien in den Jahren 1934 und 1938 unterbrach der 2. Weltkrieg die Historie der Fußball-Weltmeisterschaft. Erst 1950 wurde das nächste Turnier ausgetragen - auch hier gelang erneut Uruguay der Sieg.


Vier Jahre später folgte die erste Sternstunde des deutschen Fußballs. Obwohl das deutsche Team sich bereits in der Vorrunde beinahe verabschiedet hätte, wendete sich das Blatt in den K.-O.-Spielen. Am Ende ging das Finale als "Wunder von Bern" und Deutschland als Weltmeister in die Geschichte ein. 


Es folgten die Jahre, in denen Brasilien den Fußball dominierte: Drei Weltmeistertitel in vier Turnieren, insgesamt zwischen 1958 und 2002 sogar fünf. 


Überraschend ist, dass England, das "Mutterland des Fußballs", erst eine Weltmeisterschaft (1966) für sich entscheiden konnte. Insgesamt gab es gerade mal acht unterschiedliche Sieger-Nationen.


Rekordsieger der Fußball-Weltmeisterschaften ist damit Brasilien (5), gefolgt von Deutschland und Italien (jeweils 4), sowie Uruguay und Argentinien (jeweils 2). Einmal gewannen die WM neben England auch Spanien und Frankreich.